Rahmenbedingungen: Der Ferrari auf der Buckelpiste

Wissen Sie, was ich früher am meisten gefürchtet habe? Bei einem Dinner nach dem Hauptgang aufzutreten:

Die Gäste sitzen an ihren Tischen vor leeren Weinflaschen und hängen mit der Nase fast schon im Dekolletè der Nachbarin. Ihre Gedanken sind irgendwo zwischen Karibik und Sauna-Club. Und dann komme ich als Höhepunkt des Abends. Na toll!

Oft unterschätzen Veranstalter, wie wichtig die richtigen Rahmenbedingungen für einen gelungenen Auftritt sind:

Da sitzt ein hervorragender Künstler an einem schlecht gestimmten Klavier bei mäßiger Beleuchtung – der eine oder andere Gast wird vielleicht die Augen aus dem Dekolletè seiner Nachbarin erheben und gelegentlich müde applaudieren.

Kündigen Sie denselben Künstler mit ein paar flotten Worten an, lassen Sie ihn an einem weißen Flügel auftreten und geben Sie ihm zwei Scheinwerfer als Beleuchtung. Schon raunen die Gäste: “Hab ich den nicht erst kürzlich im Fernsehen gesehen?”

Klar, ein Routinier sollte mit jeder Situation zurechtkommen. Aber gegen manche Umstände ist schwer anzuspielen. Außerdem: Geht es darum, “zurecht zu kommen”? Oder wollen Sie das Optimale aus Ihrem Bühnen-Star herausholen?

Das ist ein bisschen so, wie wenn Sie sich einen Ferrari kaufen und dann damit auf einer Buckelpiste herumholpern. Schade um’s Geld!

Deshalb hier meine wichtigsten Grundsätze – einfach und kurz:

  1. Der Künstler steht für alle gut sichtbar erhöht auf einer Bühne.
  2. Er hat mehr Licht als sein Publikum. Zwei Scheinwerfer gibt’s für 30 € zu mieten.
  3. Die Bühnen-Rückwand ist einfarbig und unauffällig (z.B. ein schwarzes Moltontuch).
  4. Durch eine gute Tonanlage ist der Künstler im ganzen Raum mühelos verständlich.
  5. Die Zuhörer sind weder hungrig noch betrunken.
  6. Das Publikum sitzt! (Stehendes Publikum senkt die Aufmerksamkeit erheblich.)
  7. Während der Darbietung wird nicht gegessen und bewirtet. (Klingt hart, verdoppelt aber den Erfolg.)

Tatsächlich kosten gute Rahmenbedingungen etwas Geld. Aber, glauben Sie mir: Teeren Sie lieber die Straße und kaufen Sie sich statt dem Ferrari “nur” einen schönen Porsche. Sie haben mehr Spaß und mehr Anerkennung :-)

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